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GENDER MAINSTREAMING

VERÄNDERN DURCH GENDERN


Was bedeutet "gendern" eigentlich und warum sollten wir etwas verändern?


Einschneidende demografische Veränderungen, neue Formen des Zusammenlebens und der Familie sowie der Wunsch vieler Frauen nach mehr Selbstbestimmtheit – der Wandel der Zeit bringt viele Neuerungen mit sich, alternative Konzepte und Lösungsansätze sind gefragt. Lebensrealitäten, wie z.B. eine Scheidungsrate von 41 %, über 20.500 Alleinerziehende in Kärnten und ein Einkommensunterschied von 22,5 % (im Pensionsalter von 52,5 %) sind Gründe dafür, dass es laufender Anpassungen bedarf, um bedürfnisgerechte Rahmenbedingungen für die Zukunft zu schaffen. Verändern durch gendern bedeutet, die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern zu beachten und politische bzw. gesellschaftliche Entscheidungen entsprechend ihrer oftmals lebensphasenbedingt unterschiedlichen Bedürfnisse zu treffen.


Gleichstellung - Gleichbehandlung - Gender Mainstreaming


Gender Mainstreaming, oder kurz GeM, ist eine Strategie zur Erreichung der Chancengleichheit von Frauen und Männern. Chancengleichheit heißt, dass Frauen und Männer die gleichen Chancen haben, im wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Leben teilzuhaben. GeM ist ein top-down-Prinzip und zieht sich durch alle Ebenen und Bereiche. Kärnten hat sich 2001 zur Umsetzung dieses Prinzips verpflichtet.


Gender Mainstreaming wurde von der europäischen Kommission zur Unterstützung der Gleichstellungsbemühungen geschaffen und als politische Strategie entwickelt. Gender Mainstreaming richtet sich in erster Linie an politische EntscheidungsträgerInnen und verankert die Aufgabe der Gleichstellung als Querschnittsthematik.



Was heißt "Gender Mainstreaming" überhaupt?


Im Gegensatz zur deutschen Sprache, die mit dem Wort „Geschlecht“ lediglich das „biologische“ Geschlecht eines Menschen beschreibt, verfügt die englische Sprache zusätzlich über das Wort „Gender“, womit das „soziale Geschlecht“ gemeint ist. Mit Gender sind die gesellschaftlichen Geschlechterrollen gemeint, jene Vorstellungen und Erwartungen darüber, wie Frauen und Männer sind bzw. sein sollen. Mit dem Begriff Mainstreaming (engl. Hauptströmung) wird deutlich, dass Gleichstellung kein "Sonderthema", sondern Hauptthema in allen Bereichen sein soll.



Was bedeutet Gender Mainstreaming in der Praxis?


Das bedeutet nichts anderes, als dass alle Maßnahmen oder Situationen auf mögliche Auswirkungen auf Frauen und Männer untersucht werden. Im Gemeindealltag heißt das, dass jedes Projekt oder jeder Gemeinderatsbeschluss auf die Bedeutung hin für beide Geschlechter betrachtet werden muss. In Oberösterreich wird beispielsweise am Gender Budgeting gearbeitet, sprich wie wirken sich die getätigten Ausgaben sowohl auf Männer als auch auf Frauen aus. Die EU hat das bereits 1998 wie folgt definiert: "GeM besteht in der (Re-)Organisation, Verbesserung, Entwicklung, und Evaluierung politischer Prozesse mit dem Ziel, eine geschlechterbezogene Sichtweise in alle politischen Konzepte auf allen Ebenen und in allen Phasen durch alle an politischen Entscheidungen beteiligten Akteure und Akteurinnen einzubeziehen."



Begriffserklärungen


Gleichstellung bzw. Chancengleichheit von Frauen und Männern bedeutet, dass Frauen und Männer die gleichen Möglichkeiten haben, am wirtschaftlichen, beruflichen, politischen, gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben teilzuhaben und aufgrund ihres Geschlechtes keinen wie immer gearteten Benachteiligungen oder Diskriminierungen ausgesetzt sind.


Gleichbehandlung stellt lediglich einen anderen Begriff für Gleichstellung dar. Berufliche Benachteiligung oder Diskriminierung von Frauen und Männern bzw. sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz werden im Sinne der Gleichstellung in fast allen Bundesländern Österreichs in den landeseigenen Gleichbehandlungsgesetzen geregelt.



GeM in Kärnten

... ist die berufliche "Gleichbehandlung" für Landes- und Gemeindebedienstete im Kärntner Landesgleichbehandlungsgesetz LGBL.Nr. 56/1994 idGF geregelt. Für Lehrerinnen und Lehrer sowie für Privatangestellte gelten die Gleichbehandlungsgesetze des Bundes.


Alle europäischen Mitgliedsstaaten haben an der Entwicklung der Strategie des Gender Mainstreaming mitgearbeitet und sich zur Anwendung derselben bekannt. Das Kollegium der Kärntner Landesregierung hat sich mit einem einstimmigen Beschluss im Jahr 2001 zur umfassenden Anwendung von GeM verpflichtet.


In Kärnten sind somit alle politischen und administrativen Entscheidungen einer Überprüfung auf eventuell unterschiedliche Auswirkungen auf Frauen und Männer zu unterziehen und erforderlichenfalls im Sinne der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern notwendige Maßnahmen zum Ausgleich zu setzen.



GeM in Österreich

... ist durch das Recht der Gleichstellung und Chancengleichheit in der österreichischen Bundesverfassung in Artikel 7 geregelt. Gemäß dieser gesetzlichen Bestimmung sind alle Bürgerinnen und Bürger Österreichs vor dem Gesetz gleich, besitzen gleiche Rechte und es sind eventuell bestehende Ungleichheiten oder Ungleichbehandlungen vom Bund, den Ländern und Gemeinden abzubauen und neue zu vermeiden.


Österreich bekennt sich in Artikel 7 der Bundesverfassung zum Gleichheitsgrundsatz und zur Umsetzung der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern in Österreich.



GeM im Europarecht

... stellt die Gleichstellung von Frauen und Männern als eines der wichtigsten Grundrechte aller Bürgerinnen und Bürger der europäischen Union dar und wurde in verschiedenen Gleichbehandlungsrichtlinien und zu guter Letzt im Amsterdamer Vertrag 1999 mit der Selbstverpflichtung aller Mitgliedsstaaten zur Umsetzung der Gleichstellung unter Anwendung der Strategie des Gender Mainstreaming als Primärrecht der Europäischen Union verankert.


Link:

Frauenförderprogramm

Interministerielle Arbeitsgruppe Gender Mainstreaming

GENDER BUDGETING


Was ist Gender Budgeting?


Gender Budgeting macht die geschlechterspezifischen Auswirkungen von Budgetentscheidungen sichtbar - das sowohl seitens der Einnahmen (wie zum Beispiel bei Steuern, Abgaben etc.) als auch auf der Seite der Ausgaben (bei Förderungen, Zuteilung von Mitteln etc.).


Gender Budgeting soll die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen und Männern berücksichtigen sowie die Geschlechterverhältnisse systematisch in die Budgetgebarung einbeziehen. Oberstes Ziel ist die gerechte Verteilung finanzieller Mittel zwischen den Geschlechtern.

Gender Budgeting ist daher ein finanzpolitisches Instrumentarium des Gender Mainstreaming.

Mit 1. Jänner 2009 wurde die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern im öffentlichen Haushaltswesen als Staatszielbestimmung in der Verfassung (Art. 13 Abs. 3 B-VG) verankert. Zudem tritt der Grundsatz der Wirkungsorientierung, insbesondere auch unter Berücksichtigung des Ziels der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern, ab 1. Jänner 2013 als einer der neuen Grundsätze der Haushaltsführung des Bundes (Art. 51 Abs. 8 B-VG) in Kraft.

Nähere Informationen zu Gender Budgeting finden Sie hier.


GENDER CONTROLLING


GeM braucht Kontrolle:

Das Sachgebiet dient als Koordinationsstelle innerhalb der Landesverwaltung und als Schnittstelle in GeM-Aktivitäten zur Verwaltung. Das Sachgebiet Gender Controlling übernimmt die Überprüfung, Begleitung und Berichtslegung über die GeM-Aktivitäten der einzelnen Landesstellen sowie die Dokumentation über die Implementierung des GeM als Querschnittsaufgabe. Weiters sollen der Aufbau und die Verwaltung eines virtuellen Gender-Competence-Centers eine Qualitätssicherung des Wissenstransfers bewirken. Das Sachgebiet Gender Controlling führt Recherchen zur Erstellung gegenderter Statistiken zum Zwecke von Vorschlägen an die Regierung bzw. Verwaltung durch und informiert die Öffentlichkeit. Durch die Erstellung von Informationsmaterial und Beteiligung an der Öffentlichkeitsarbeit des Referates trägt dieses Sachgebiet zur Bewusstseinsbildung bei.